Sich als Bürgerwissenschaftler:in beteiligen und mitforschen!

Citizen Science bedeutet übersetzt so viel wie „Bürgerwissenschaften“. In Citizen Science Projekten sind Bürger:innen dazu eingeladen, sich selbst an Wissenschaft und Forschung zu beteiligen und ihre Interessen und Ideen einzubringen. Bürgerwissenschaftler:innen können sich in vielen Bereichen und wissenschaftlichen Themen engagieren – so wie hier beim Artenmonitoring und der Erforschung der Biodiversität!

Die Hintergründe unseres Citizen Science Projektes

Das Projekt BioWaWi erforscht den Einfluss des Wasserhaushaltes auf die Artenvielfalt im Wassereinzugsgebiet der Stadtwerke Bühl. Die Stadtwerke sind für die Wasserversorgung der Region vom Rheintal bis hoch in den Schwarzwald zuständig. Das Ziel ist, ein Umweltmanagementsystem für die Wasserversorgung zu entwickeln, das die Vielfalt der Arten erhält und fördert. Die Verfügbarkeit von gesundem Wasser kann auch als „Dienstleistung“ von natürlichen Ökosystemen betrachtet werden, daher kommt der Begriff der „Ökösystemleistungen“. Umgekehrt sind die verschiedenen Ökosysteme mit ihren jeweils besonderen Tieren und Pflanzen auf die Versorgung mit Wasser angewiesen. Wie also können wir diese für Mensch und Natur gleichermaßen wichtigen Lebensräume schützen und erhalten? Unter anderem dieser Frage widmet sich das Projekt BioWaWi und das dazugehörige Citizen Science Teilprojekt!

Rufen, Singen, Quaken – die Stimmen der Wildtiere als ein Spiegel der Landschaften

Die Laute, die Tiere von sich geben, sind der Ausgangspunkt unseres Citizen Science Teilprojektes: Bürger:innen sind dazu eingeladen, mit ihren Smartphones Tonaufnahmen vom Ruf, Gesang und dem Quaken von Wildtieren in unterschiedlichen Landschaften zu machen und in einer Europakarte hochzuladen. So entstehen Lautprofile, die für den jeweiligen Lebensraum typisch sind. Beispielsweise klingt ein Wald anders als eine Streuobstwiese, ein Moor anders als ein trockengelegtes Maisfeld und auch Flüsse und Seen haben ihre ganz eigenen Lautcharakteristika. Das liegt an den Vögeln, Fröschen, Kröten, Grillen oder Heuschrecken, die in den verschiedenen Lebensräumen vorkommen und deren Gesang, Laute und Rufe wir hören. Auf diese Weise können die Tonaufnahmen ein Spiegel der verschiedenen Landschaftstypen sein.

In einem ersten Schritt des wissenschaftlichen Projektes werden die gemachten Tonaufnahmen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz den verschiedenen Lebensräumen und Landschaftstypen zugeordnet (bspw. dem Wald, dem Feld oder der Stadt). Daraufhin sollen anhand der Tierstimmen Aussagen über den Zustand des Lebensraumes getroffen werden können. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Feuchte des Bodens auch die Qualität des Lebensraumes von Tieren und Pflanzen bestimmt. Beispielsweise unterscheiden sich Tier- und Pflanzenarten, die in wasserreichen Lebensräumen leben von denen, die in trockeneren Gebieten leben. Zum Beispiel die „Sumpfschrecke“, eine Grashüpferart, ist an ihrem „Gesang“ zu erkennen, den sie mit ihren Flügeln macht. Dieser klingt vollkommen anders als der „Gesang“ des „gemeinen Grashüpfers“, der auf allen Arten von Wiesen vorkommt oder der des „Nachtigallgrashüpfers“, der auf trockenen Magerwiesen „singt“. Wenn also der Bodenwassergehalt den Biotoptyp bestimmt, sollten sich Unterschiede im Lautprofil in Abhängigkeit von Feuchteparametern ergeben.

Tonaufnahmen

Hier finden Sie einige Tonaufnahmen, die in unserem Untersuchungsgebiet aufgenommen wurden!

Früher Zilpzalp

Früher Zilpzalp im Waldhägenich (Gisela Wachinger, 10. März 2022)

Nachtigallgesang

Nachtigallgesang im Waldhägenich (Carolin Reichert, 30. März 2022)

Buchfink

Ein Buchfink im Waldhägenich (Gisela Wachinger, 30. März 2022)

Morgenkonzert

Ein Morgenkonzert im Waldhägenich (Gisela Wachinger, 1. April 2022)

Pirole Auwald

Pirole Auwald im Waldhägenich (Gisela Wachinger, 22. Juli 2022)

Nachtigallgrashüpfer

Sommertag auf der Grinde am Hochkopf: Der Nachtigallgrashüpfer singt (Gisela Wachinger, 22. Juli 2022)

Ziele unseres Citizen Science Projektes

Ziel des Citizen Science Projektes ist, ein Artenmonitoring basierend auf Lautmustern zu entwickeln, das von Bürger:innen genutzt werden kann und das wissenschaftlich belastbare Ergebnisse liefert. Verändert sich der Bodenwassergehalt, beispielsweise durch Dürreereignisse, soll das Artenmonitoring auf Veränderungen der Lautmuster und damit der Artenzusammensetzungen hinweisen, die mit Veränderungen des Wassergehaltes zusammenhängen. Auf diese Weise sollen frühzeitig Schutzmaßnahmen bezüglich des Wassermanagements ergriffen werden können, um die betroffenen Gebiete vor Trockenheit oder dem Austrocknen zu schützen.

Wer ruft, singt und quakt denn da? So können Sie mitmachen

Jede:r kann mit dem Smartphone Tonaufnahmen für unser Projekt machen! Insbesondere brauchen wir Aufnahmen aus der Gegend von Bühl, vom Rheintal bis zum Schwarzwald, aber auch in ganz Deutschland und Europa! In der Stadt, im Dorf, auf Feldern, Wiesen und in Wäldern – wo auch immer Sie sich gerade befinden und etwas tierisch Schönes hören. Das können Vögel, Frösche, Kröten, Grillen oder Heuschrecken sein. Um mitzumachen, müssen Sie nur die kostenlose Handyapp „Dawn Chorus“ von BIOTOPIA auf Ihr Smartphone herunterladen (über gängige Appstores) oder hier:  


https://dawn-chorus.org//.

Sie benötigen keine Vorkenntnisse und eine Aufnahme dauert eine Minute. Wenn sich viele am Citizen Science Projekt beteiligen, könnte diese Methode das Monitoring der Arten revolutionieren! Dazu wird eine große Anzahl an Audioaufnahmen benötigt: Wir freuen uns also über jede Aufnahme!

Schritt für Schritt zur ersten Tierstimmenaufnahme

1. Halten Sie das Handy möglichst ruhig und drücken Sie auf „Einzelaufnahme“ – nach einer Minute wird die Aufnahme automatisch gespeichert.

2. Sie können Vogelarten auswählen. Aufnahmen ohne diese Angaben sind aber genauso wertvoll!

3. In welcher Landschaft befinden Sie sich gerade? Wenn Sie „anderes Habitat“ auswählen, können Sie die Landschaft selbst beschreiben.

4. Geben Sie „Biowawi“ ein als Bezeichnung der Gruppe. So wissen wir, dass die Aufnahme zu unserem Tierstimmen-Projekt gehört.

5. Wenn Sie ein Foto hinzufügen wollen, nehmen Sie es bitte in der Richtung auf, in der Sie das Tier gehört haben.

6. Klicken Sie auf „speichern“ oder „hochladen“. FERTIG! Hochladen ist auch später noch möglich, wenn Sie eine gute Internetverbindung haben.

Und so geht es weiter mit Ihren Aufnahmen

Die Audioaufnahmen, die mit Hilfe der App „Dawn Chorus“ unseres Kooperationspartners BIOTOPIA entstehen, werden durch den Kooperationspartner MicroDoc (https://www.microdoc.com) mit Hilfe von künstlicher Intelligenz ausgewertet und bestimmten Biotoptypen zugeordnet.

So kann jede:r zum Monitoring der Artenvielfalt beitragen und die eigenen Ergebnisse sofort in der Karte von Dawn Chorus sehen und hören.
In einem Co-Design Prozess gemeinsam mit den teilnehmenden Bürgerwissenschaftler:innen wird zudem erarbeitet, in welcher Form die Teilnehmenden die Ergebnisse erhalten, nutzen und publizieren möchten: Sie werden vom methodischen Design bis zur Auswertung und Ergebnisverwertung einbezogen. Ziel ist, den Teilnehmenden die Informationen über die Artenvielfalt der verschiedenen Biotoptypen zukünftig unmittelbar und standortbezogen zur Verfügung zu stellen.

Videos

Hier finden Sie einige Videos, die auch außerhalb des Untersuchungsgebiets aufgenommen wurden.

Feldgrillen im Weinberg

Feldgrillen im Weinberg (Gisela Wachinger, Mai 2022)

Klappergrasmücke in alten Schrebergärten

Klappergrasmücke in alten Schrebergärten (Gisela Wachinger, Mai 2022)

Erdkröten beim Laichen

Erdkröten beim Laichen. “Befreiungsrufe der Männchen" (Gisela Wachinger, Mai  2022)

Wasserfrösche in einem künstlichen Teich

Wasserfrösche in einem künstlichen Teich (Gisela Wachinger, Mai 2022)

Heuschrecken in Landmatt

Verschiedene Heuschrecken in Landmatt (Gisela Wachinger, August 2021)

Kontakt

Sie haben Fragen oder wollen an unserem Citizen Science Projekt mitwirken? Dann melden Sie sich gerne bei uns! 

E-Mail: biowawi does-not-exist.dialogik-expert de
Tel.: +49 711 3585 2167
Links: https://www.buergerschaffenwissen.de/projekt/biowawi-biodiversitaet-und-wasserwirtschaft